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Jensen Huang: offener Brief gegen Einschränkung von Open Weight Modellen

Nvidia-Chef Jensen Huang hat am 24. Juli seinen ersten Beitrag auf X veröffentlicht. Darin teilte er einen offenen Brief zur KI-Politik, den zunächst 25 Organisationen unterzeichnet hatten. Microsoft, Meta und das Freiburger Startup Black Forest Labs gehören dazu. Sie warnen Washington davor, offene KI-Modelle vorschnell zu beschränken. Die Auseinandersetzung entscheidet mit darüber, welche KI-Modelle Unternehmen künftig frei einsetzen dürfen.

Was in Jensen Huangs offenem Brief zur KI-Politik steht

Der Brief trägt den Titel „Open Weights and American AI Leadership“ und ist auf den 24. Juli datiert. Das dreiseitige Dokument liegt als PDF auf einer Microsoft-Seite und wurde ursprünglich von Nvidia verbreitet. Im Zentrum stehen sogenannte open weight models. Das sind KI-Modelle, deren trainierte Parameter öffentlich zum Download und zur eigenen Ausführung freigegeben sind. Als frontier model gilt das jeweils leistungsfähigste aktuelle Modell eines Anbieters.

Die Welt brauche sowohl geschlossene als auch offene frontier models, schrieb Huang laut Fortune sinngemäß. Offene Modelle stärken aus Huangs Sicht Sicherheit und Cybersicherheit, beschleunigen die Verbreitung und ermöglichen Souveränität.

Die Unterzeichner verlangen mehr Rechenkapazität für Startups und Forscher. Sie fordern staatliche Investitionen in gemeinsame Trainings-Ressourcen wie Datensätze, Werkzeuge und Evaluationsrahmen. Vor allem aber warnen sie vor „premature restrictions“, also vorschnellen Beschränkungen offener Modelle.

Ein eigener Abschnitt verteidigt die „distillation“ gegen den Vorwurf des Diebstahls. Bei dieser Technik lernt ein Modell aus den Ausgaben eines anderen, meist größeren Modells. Der Brief nennt sie eine verbreitete Methode zur Verbesserung und Prüfung von Modellen, die nicht mit unrechtmäßiger Aneignung zu verwechseln sei. Nach Darstellung der Unterzeichner entscheidet sich die Führungsrolle nicht an einem einzelnen frontier model, sondern an einem offenen Ökosystem in allen Branchen.

Wer den offenen Brief unterschrieben hat und wer fehlt

Die erste Liste vom 24. Juli umfasste genau 25 Organisationen. Neben Nvidia, Microsoft und Meta stehen dort IBM, Palantir, Hugging Face, Mozilla und die Linux Foundation. Dazu kommen Andreessen Horowitz, Y Combinator, Perplexity, Dell und CrowdStrike. Auch der französische Anbieter Mistral gehört zu den Erstunterzeichnern. Binnen eines Tages verdoppelte sich die Liste nach Angaben von Forbes auf rund 50 Organisationen.

Wer genau dazugekommen ist, stellen die Medien unterschiedlich dar. MLQ News veröffentlichte am 26. Juli eine vollständige Namensliste mit 50 Einträgen, darunter OpenAI und Google. TheNextWeb und das deutsche Portal ad-hoc-news berichten dagegen, OpenAI habe nicht unterzeichnet. Sam Altman habe sich lediglich zustimmend geäußert, ohne die Firma formal zu binden. Das Portal begründet die Zurückhaltung mit wirtschaftlichem Eigeninteresse, weil OpenAI seine stärksten Modelle geschlossen anbietet.

Der Branchendienst explainx.ai führte OpenAI auch am 27. Juli noch nicht als Unterzeichner, Google dagegen schon. Google-Chef Sundar Pichai verwies laut explainx.ai auf die eigene offene Modellreihe Gemma. Amazon und Anthropic fehlen dagegen in allen Fassungen der Liste. Auch Elon Musks Firma xAI steht nicht darauf, obwohl Musk den Brief auf X öffentlich unterstützte.

Warum Jensen Huangs offener Brief zur KI gerade jetzt kommt

Washington diskutiert derzeit über Beschränkungen für chinesische Modelle und erwägt einen „procurement ban“ für Bundesbehörden. Ein solches Beschaffungsverbot würde Ämtern untersagen, chinesische KI-Modelle zu kaufen oder einzusetzen. TechCrunch berichtet zusätzlich über angedrohte Sanktionen gegen chinesische KI-Firmen. Einige Maßnahmen laufen schon, etwa eine Erweiterung der Pentagon-Blacklist um Alibaba und Baidu im Juni. Ein Gesetz aus diesem Jahr schränkt bestimmte DeepSeek-Nutzungen ein und lässt Ausnahmegenehmigungen zu.

Ausgelöst hat die Debatte das chinesische Modell Kimi K3, das Moonshot AI am 16. Juli veröffentlichte. Das Modell arbeitet nach Angaben von AI Weekly mit 2,8 Billionen Parametern. Michael Kratsios, Direktor des Technologiebüros im Weißen Haus, wirft dem Unternehmen eine distillation von Anthropics Modell Fable vor. Über Server in Thailand soll Moonshot zudem an exportbeschränkte Nvidia-Chips gelangt sein. Finanzminister Scott Bessent kündigte nach deutschen Berichten Ermittlungen wegen mutmaßlichen Diebstahls geistigen Eigentums an.

Parallel positioniert sich China öffentlich als Anwalt der Offenheit. Präsident Xi Jinping hielt kurz vor dem Brief eine Grundsatzrede auf der World AI Conference in Shanghai. 29 Staaten unterzeichneten dort laut Fortune ein Abkommen für eine eigene KI-Organisation namens WAICO. Umgekehrt hatte Peking Anfang Juli laut früheren Berichten Exportbeschränkungen für die eigenen leistungsfähigsten Modelle erwogen.

Anthropic hält dagegen und Fachleute zweifeln an der Durchsetzbarkeit

Die auffälligste Leerstelle auf der Liste ist Anthropic. Firmenchef Dario Amodei bezeichnete Open Source in der KI laut AI Weekly sinngemäß als Ablenkungsmanöver. Er argumentiert, KI folge anderen Regeln als frühere Technologiebereiche. Amazon blieb der Koalition ebenfalls fern, ohne sich öffentlich zu erklären.

Kyle Chan von der Brookings Institution hält ein Verbot chinesischer Open-Source-Modelle für praktisch aussichtslos. Die trainierten Parameter kursieren längst frei im Netz und lassen sich lokal ausführen. Chan verweist laut dem Fachportal Open Source For You außerdem auf mögliche Fragen der Meinungsfreiheit. Nvidias Motiv ist nicht rein ordnungspolitisch, denn der Konzern verdient an jedem eingesetzten Grafikprozessor. Je mehr offene Modelle in Firmen, Kliniken und Behörden laufen, desto breiter verteilt sich die Nachfrage. Forbes weist auf einen Widerspruch hin, weil Nvidia seine eigene Software-Plattform CUDA weiterhin geschlossen hält.

Was der offene Brief für Unternehmen in Europa bedeutet

Ein deutsches Unternehmen steht von Anfang an in dieser Koalition. Black Forest Labs aus Freiburg im Breisgau gehört zu den 25 Erstunterzeichnern. Das 2024 gegründete Startup ist für seine Bildgenerierungs-Modelle der FLUX-Reihe bekannt. EUalive ordnet die europäische Beteiligung als Bekenntnis zur strategischen Autonomie ein.

Einen Anhaltspunkt liefert die Plattform OpenRouter. Firmen rufen darüber KI-Modelle vieler Anbieter über eine einzige Schnittstelle ab. Chinesische open weight models machen dort laut dem Fachportal Open Source For You rund 45 Prozent der abgerechneten Tokens aus. Ein Preisvergleich desselben Berichts nennt rund 0,18 Dollar je Million Tokens gegenüber etwa 4 Dollar bei US-Anbietern.

Für Unternehmen ist die Debatte deshalb kein amerikanisches Randthema. Wer offene Modelle in Produkte einbaut, sollte deren Herkunft und Lizenzlage jetzt dokumentieren. Ein Beschaffungsverbot in den USA würde zuerst Behörden treffen, danach deren Zulieferer. Wer US-Behörden beliefert oder mit US-Konzernen arbeitet, gerät über Vertragsklauseln schnell in denselben Rahmen.

Ratsam ist eine Bestandsaufnahme aller eingesetzten Modelle inklusive Hersteller, Version und Betriebsort. Wer chinesische Modelle produktiv nutzt, braucht einen erprobten Wechselpfad auf eine Alternative. Der Brief ist Lobbyarbeit, aber seine Kernaussage trägt. Ein Verbot lässt sich bei frei verfügbaren Modellen kaum kontrollieren, wohl aber die eigene Lieferkette.

Ohne Gesetzentwurf bleibt die Lage vorerst offen

Ein konkreter Gesetzentwurf liegt bislang nicht vor und die Debatte bewegt sich auf der Ebene von Ankündigungen und Ermittlungen. Die Unterzeichnerliste wächst weiter, ein endgültiger Stand ist deshalb nicht zu nennen. Für Unternehmen zählt vorerst, welche Modelle sie im Ernstfall ersetzen könnten.

Quellen