Masayoshi Son hat auf der Konferenz SoftBank World 2026 in Tokio seine Milliardenwette auf künstliche Intelligenz verteidigt. Der Gründer und Chef von SoftBank bezifferte den weltweiten Investitionsbedarf für KI auf 5 Billionen Dollar pro Jahr bis 2040. Sorgen vor einer KI-Blase wies er scharf zurück und nannte sie eine dumme Frage. Die SoftBank-KI-Investition und die 5-Billionen-Rechnung stehen damit für eine der größten Technologiewetten der Gegenwart.
Fünf Billionen Dollar pro Jahr für Rechenzentren und Chips
SoftBank hielt die Konferenz zum 15. Mal ab, in diesem Jahr unter dem Motto AX for Japan. AX steht für AI Transformation, also den Umbau von Wirtschaft und Verwaltung durch KI. Für das Jahr 2040 rechnete Son einen jährlichen Investitionsbedarf von rund 5 Billionen Dollar vor, für Rechenzentren, Chip-Produktion und Energie. Bis dahin werde KI etwa 20 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung tragen, sagte er voraus. Diese Zahlen zeichnen weniger eine Produktankündigung als ein ökonomisches Weltbild.
Son ordnete seine Prognosen für 2040 in eine beginnende Ära der Superintelligenz ein. Bis 2040 erwartet er eine globale Rechenzentrumskapazität von 3 Terawatt. Das entspreche etwa dem 1,8-fachen des heutigen weltweiten Stromverbrauchs. In dieser Zukunft sollen 100 Billionen autonome KI-Agenten miteinander handeln und kommunizieren. KI-Agenten sind Programme, die Aufgaben selbstständig planen und ausführen. Son beschrieb den Übergang von einer menschzentrierten zu einer agentenzentrierten Welt. Den enormen Energiehunger der Rechenzentren will Son mit Kernfusion decken. Fusionsenergie hält er für die realistischste langfristige Lösung. Diese werde seiner Einschätzung nach in etwa 15 Jahren verfügbar sein.
Wie SoftBanks KI-Investition zur größten Wette des Konzerns wurde
Hinter den Visionen steht handfestes Geld, denn SoftBank hat sich tief bei OpenAI eingekauft. OpenAI entwickelt ChatGPT, und seit September 2024 fließt Kapital aus dem Vision Fund dorthin. Im Februar 2026 vereinbarten beide Seiten eine Folgeinvestition von 30 Milliarden Dollar in drei Tranchen. Je 10 Milliarden fließen im April, Juli und Oktober, auf Basis einer Bewertung von 730 Milliarden Dollar. Nach eigenen Angaben steigt SoftBanks kumulierte Investition dadurch auf 64,6 Milliarden Dollar. Bereits investiert waren zu diesem Zeitpunkt 34,6 Milliarden Dollar. Der Rest fließt mit den drei Tranchen bis Oktober 2026 nach. Am Ende hält SoftBank rund 13 Prozent an OpenAI.
Um das Kapital aufzubringen, verkaufte SoftBank im November 2025 seine gesamte Nvidia-Beteiligung. Der Verkauf von 32,1 Millionen Aktien brachte 5,83 Milliarden Dollar. SoftBanks Finanzchef begründete den Schritt mit dem hohen Kapitalbedarf für OpenAI. Sons Erfolgsbilanz nährt Vertrauen und Zweifel, denn sie kennt große Gewinne und teure Fehlschläge. Im Geschäftsjahr 2025 verdiente der Vision Fund rund 46 Milliarden Dollar, vor allem durch die OpenAI-Beteiligung. Dieselbe Wachstumsstrategie führte 2019 aber ins Desaster mit dem Bürovermieter WeWork. SoftBank verlor damals nach Schätzungen zwischen 11,5 und 14 Milliarden Dollar. Schon vor der Rede galt die OpenAI-Wette als riskant, weil sie einen Großteil des Portfolios bündelt. Genau dieses Spannungsfeld prägt die Debatte über die SoftBank-KI-Investition und die 5-Billionen-Wette.
Masayoshi Son und die KI-Blase: harte Worte gegen Skeptiker
Am deutlichsten wurde Son bei der Blasen-Frage, die er mit früherer Skepsis gegen Autos und Flugzeuge verglich. „Die Frage, ob KI eine Blase ist, ist eine dumme Frage“, sagte Son laut übereinstimmenden Medienberichten sinngemäß. Wer KI verurteile, schade am Ende sich selbst, fügte er hinzu. „KI wird unser Leben völlig verändern, und zwar so, dass daraus Gewinne entstehen“, sagte er sinngemäß.
Sons Auftritt fällt in eine nervöse Phase an den Finanzmärkten. Anleger fragen offen, ob die hohen Kurse von Nvidia durch echte KI-Erträge gedeckt sind. Die massiven Ausgaben für Rechenzentren nähren dieselbe Sorge, und prominente Kritiker teilen Sons Optimismus nicht. Der Investor Michael Burry vergleicht die aktuelle KI-Welle mit der Dotcom-Blase. Er verweist auf eine enorme Kapitalkonzentration, denn rund 87 Prozent des Wagniskapitals fließen in KI. Burry warnt zudem vor zirkulären Finanzflüssen zwischen Nvidia, OpenAI und Cloud-Anbietern. Solche Verflechtungen könnten Risiken im Finanzsystem verschieben. Auf SoftBank zielt diese Kritik nicht direkt, doch Son ordnet sich mit seiner Aussage in dieselbe Debatte ein. Sein Optimismus ist zugleich Eigeninteresse, weil kaum ein anderer Konzern so viel Kapital auf das Gelingen der KI-Wette gesetzt hat. Auch SoftBanks eigene Bewertung hängt inzwischen stark an OpenAI, und ein Fehlschlag träfe den ganzen Konzern. Ob die Superintelligenz kommt oder die Blase platzt, ist heute schlicht offen.
Was SoftBanks 5-Billionen-Wette für Unternehmen bedeutet
Son unterlegt seine These mit konkreten Geschäften rund um Rechenleistung. Anfang Juli gründete SoftBank in den USA das Neocloud-Geschäft SB Neo. Neocloud-Anbieter vermieten Rechenleistung für KI auf Basis spezialisierter Grafikchips. SB Neo soll auf 10 Gigawatt Kapazität wachsen, während in Japan im Oktober die GPU-Cloud Infrinia startet. Gemeinsam mit OpenAI bietet SoftBank dort seit Juni einen Cyberabwehr-Dienst an. Der Dienst nutzt ein eigens gehärtetes KI-Modell und analysiert Angriffspfade automatisch. Bereits 137 Firmen zeigten Interesse, angepeilt sind rund 3.000 Kunden aus kritischer Infrastruktur. Die Kooperation mit OpenAI reicht inzwischen von Kapital über Rechenzentren bis zur Cybersicherheit.
Für europäische Entscheider lohnt ein zweiter Blick auf die Landkarte. SoftBanks größte KI-Investition in Europa geht nach Frankreich, nicht nach Deutschland. Bis zu 75 Milliarden Euro sollen dort in 5 Gigawatt Rechenzentrumskapazität fließen. Standortentscheidungen dieser Größe folgen der Verfügbarkeit von Strom, Fläche und Genehmigungen. Deutschland taucht in Sons Milliardenplänen bisher nicht auf. Für Unternehmen zählt ohnehin weniger die Blasen-Frage als der reale Aufbau von Infrastruktur. Für Kunden entsteht so ein dichtes Geflecht aus Abhängigkeiten und Chancen. Wer heute Rechenleistung einkauft, verhandelt faktisch mit einer Handvoll Konzerne. Wer auf KI setzt, sollte diese Abhängigkeit früh prüfen und Alternativen offenhalten. Ein früher Test der eigenen Datenlage und Anbieterstrategie kostet wenig und schützt später. Sons Prognosen bleiben Wetten, keine gesicherten Fakten. Unternehmen sollten seine Vision von den heute tatsächlich verfügbaren, belastbaren Angeboten unterscheiden.
Ausblick: Kapital, Rechenleistung und offene Beweise
Die nächste Tranche der SoftBank-Investition in OpenAI steht im Oktober an, mit weiteren 10 Milliarden Dollar. Im selben Monat soll die Infrinia-Cloud in Japan kommerziell starten. SB Neo nimmt den Betrieb erst im Geschäftsjahr 2027 auf, und die Investitionen laufen damit über Jahre weiter. Ob sich die 5-Billionen-Rechnung trägt, entscheidet sich letztlich an den Erträgen. Solange Rechenzentren mehr kosten als einbringen, bleibt die Blasen-Debatte offen. Son hat seine Antwort längst gegeben, der Markt sucht noch nach seiner.
Quellen
- SoftBank Group’s CEO says $5 trillion a year needed globally to meet AI demand (AP via WSLS)
- SoftBank’s Son says AI boom will require $5tn in annual investment (Nikkei Asia)
- SoftBank’s Masayoshi Son Sees Fusion as Key to AI’s Future (Bloomberg)
- SoftBank Group’s CEO says $5 trillion a year needed globally to meet AI demand (Washington Post/AP)
- SoftBank’s Son says AI will need US$5 trillion per year by 2040, dismisses bubble talk (The Star, via Reuters/AP-Wire)
- SoftBank’s Masayoshi Son sees fusion power as key to AI’s future (Japan Times)
- Special Event for Enterprises Hosted by SoftBank Corp., SB OAI Japan GK, SoftBank Group Corp., and OpenAI (SoftBank Group)
- 「SoftBank World 2026」を開催 (SoftBank Corp., Presseankündigung 18.05.2026)
- Follow-on Investments in OpenAI (SoftBank Group Corp., 27.02.2026)
- SoftBank sells its entire stake in Nvidia for $5.83 billion (CNBC)
- SB Neo Neocloud-Gründung (SoftBank Group Corp., 02.07.2026)
- SoftBank to Launch „AI Data Center GPU Cloud“ Powered by „Infrinia AI Cloud OS“ (SoftBank Corp., 25.05.2026)
- SoftBank Launches New AI Security Product, Joins Forces with OpenAI to Defend Against Unknown Cyber Threats (NAI 500)
- SoftBank Group to Build 5 GW of AI Data Center Capacity in France (SoftBank Group Corp., 31.05.2026)
- SoftBank plans 75 billion euros of AI investments in France (CNBC)
- SoftBank says it will invest up to €75B to build French data centers (TechCrunch)
- WeWork saga cost Masayoshi Son $11.5 billion and his credibility (Japan Times)
- SoftBank’s $60 Billion OpenAI Bet Raises Concerns (StartupHub.ai)
- SoftBank posts $46 billion gain at Vision Fund driven mainly by massive OpenAI bet (CNBC)
- ‚The Big Short‘ investor Michael Burry on an AI bubble: ‚There is a Cisco at the center of it all … Its name is Nvidia‘ (Fortune)
